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Schwimmen in Kleidern und eine Elchjagd

Mein Name ist Elisabeth Hessenauer und ich war als AFS -Austauschschüler 03/04 in Norwegen.

Kurz bevor ich meine große Reise angetreten habe, habe ich eine Frage ganz besonders oft gehörtimmer wieder haben mich Freunde und Bekannte gefragt: Warum ausgerechnet Norwegen? Was hast du davon, wenn du nach Norwegen gehst?

Aber genau dass, habe ich mich oft selbst gefragt. Die Entscheidung zu treffen, ein ganzes Jahr in ein anderes Land zu gehen, viel mir am Anfang nicht gerade leicht. Ich wollte zwar gerne in ein anderes Land, doch ist es schwer sich von seiner Familie und seinen Freunden zu trennen.

Heute, ein Jahr später, versteh ich nicht mehr, warum ich mir so lange nicht sicher war, obb ich denn nun gehen sollte oder nicht, denn ich hatte das schönste und aufregendste Jahr in meinem Leben und in dieses Land zu gehen, war für mich das schönste überhaupt.

Natürlich stellt man sich am Anfang noch viel mehr Fragen, wie z.B., was erwartet mich in diesem Land? wie wird meine Familie sein?, wie wird es mit der Sprache laufen?

Ich hatte am Anfang wirklich Angst vor dem, was mich erwartete, war aber gleichzeitig gespannt und aufgeregt auf all das Neue was ich erleben sollte.

AFS

Angefangen hat alles mit dem ersten Camp, in dem wir unsere ersten Wörter in Norwegisch gelernt haben und wo ich so viele neue Freunde bekommen habe, wie ich es mir nie vorgestellt hatte.

AFS hat dieses Camp wunderbar organisiert und hat sich viele Spiele und andere Sachen ausgedacht um uns bei Laune zu halten. Insgesamt hatten wir drei Camps und jedes einzelne war ein absolutes Highlight. Ich hatte dort so ungemein viel Spaß, wie ich es noch nie in meinem ganzen Leben hatte. Alle Austauschschüler waren etwas ganz besonderes und wir sind sehr schnell zusammen gewachsen. Aus diesem Grund war um so schöner das AFS in meiner Region jeden Monat was unternommen hat. Einmal waren wir Snowboard fahren, das andere Mal in Dänemark, was beides sehr gelungene Ausflüge waren. Jeder Ausflug und jedes Treffen war einfach fantastisch. Diese monatlichen Meetings haben mir auch sehr geholfen, wenn es mir mal nicht so gut ging oder ich starkes Heimweh hatte. AFS hat das erstmals bei uns ausprobiert und das sollten sie auch weiterhin so machen.

Meine Gastfamilie

Natürlich gab es auch noch ein anderes, sehr großes Highlight. Mein Gastfamilie. Schon vom ersten Tag an mochte ich sie sehr und war wirklich froh in so eine tolle Familie gekommen zu sein.

Ich hatte zwei Schwestern, Therese (16 Jahre), mit der ich ein Zimmer geteilt habe, Gunnborg (5 Jahre) und einen kleinen Bruder, Sindre (13 Jahre). Meine Familie hat ein hübsches Haus, dass in diesem typischen Norwegerrot gestrichen ist und davor gleich einen wunderschönen See mit Sandstrand. Die Gegend in der ich gewohnt habe, ist sehr idyllisch und ruhig und es gibt nicht all zu viele Häuser dort, wir hatten etwa 15 Minuten mit dem Auto bis in die Stadt Arendal. Ich konnte mit meinen Eltern Unn Merete und Ragnar über alles reden und sie haben mich von Anfang an in die Familie aufgenommen, als ob ich schon längst dazu gehören würde. Es war einfach toll. Mit meinen Geschwistern habe ich mich auch sehr gut verstanden und wir sind alle sehr gute Freunde geworden. Auch sie haben mich von Anfang an als Schwester akzeptiert.

Wir haben uns untereinander die Arbeit im Haus aufgeteilt, so hatte niemand zu viel und alles ging viel schneller.

Wir haben auch sehr, sehr viel unternommen, wir sind oft rausgegangen, haben gegrillt, sind in verschiedene Städte gefahren, sind im Winter ganz viel Schlittschuh und Ski gefahren und haben an Ostern einen ganz tollen Urlaub gemacht. Da haben wir zusammen mit einer Familie aus der Nachbarschaft eine Hütte gemietet, die mit Sauna und Schwimmbad ausgestattet war. Dort hatten wir zwei wundervolle Wochen.

Von da an konnte meine Schwester Therese und mich nichts mehr trennen. Wir hatten so viel Spaß zusammen und haben nur noch gelacht.

Aber natürlich gab es nicht nur schöne Seiten, manchmal ging es mir auch richtig schlecht. Zum Beispiel, als die Mutter von meinem Gastvater gestorben ist. Das war einfach schrecklich. Ich habe sie nur ein paar Mal gesehen und ich wusste nicht recht wie ich mich verhalten sollte. Meine Familie war natürlich sehr traurig und ich hab mein bestes getan um ihnen beizustehen und ein bisschen zu helfen.

Freizeit

Auch nicht gut ging es mir immer dann, wenn ich Heimweh hatte. Das hat mich manchmal einfach überkommen und ich wollte nur noch nach Hause. In solchen Situationen habe ich mit meiner besten Freundin geredet, denn sie konnte mich einfach am besten verstehen, denn auch sie war eine AFS-Austauschschülerin aus den USA und hat ganz in meiner Nähe gewohnt. Es war wirklich schön jemanden so ganz nah zu haben. Wir haben viel zusammen unternommen, waren viel in der Stadt und waren beide in einem Gospelchor.

Ansonsten habe ich noch einige andere Dinge in meiner Freizeit gemacht, ich  habe getanzt und war in einem Malerclub.

Schule

Am meisten hat mich aber die Schule auf Trapp gehalten. Ich hatte einen ziemlich langen Weg zu Schule, fast eine Stunde bin ich mit dem Bus gefahren. Das heißt also, dass ich jeden Nachmittag auch erst spät nach Hause kam. Das war ein bisschen gewöhnungsbedürftig aber mit der Zeit habe ich mich auch daran gewöhnt. Generell lief es in der Schule sehr gut. ich bin gleich von vielen

Schülern angesprochen worden und hatte eigentlich keine großen Probleme mich einzugewöhnen und neue Freunde zu finden.

Zu den Lehrern hatte ich auch ein sehr gutes Verhältnis und alle haben mich  tatkräftig unterstützt Norwegisch zu lernen.

Die Sprache

Bis ich Norwegisch verstehen konnte, hat es nicht lange gedauert, etwa ein viertel Jahr. Bis ich es dann aber sprechen konnte ist ein halbes Jahr vergangen. Bis Weihnachten/Neujahr habe ich so gut wie nur Englisch mit meiner Familie und Freunden gesprochen. Ich habe zwar sehr viel verstanden, aber ich musste einfach noch meinen Wortschatz erweitern, bevor ich sprechen konnte.

Nach Neujahr hat sich das schlagartig geändert. Von da an habe ich nur noch Norwegisch gesprochen.

Im ersten halben Jahr gibt es ein paar Punkte, die man einfach überwinden muss um voran zu kommen. Am Anfang wusste ich nicht, wie ich diese Sprache so schnell lernen sollte. Also habe ich mir alle möglichen Hilfen gesucht, Kinderbücher, Kassetten und von meiner Lehrerin habe ich ein Buch mit Grammatik und Übungen bekommen. Nach einer Weile konnte ich das meiste verstehen, aber ich habe es einfach nicht geschafft zu sprechen. Da war auch wieder so ein Punkt, wo ich dachte, es geht nie weiter. Doch nach Neujahr hat es sozusagen "klick" gemacht und ich konnte sprechen.

Ich war dann auch viel in der Bibliothek und habe mir Jugendbücher auf Norwegisch ausgeliehen.

Mir hat das so viel Spaß gemacht diese Bücher zu lesen und ich konnte es nicht fassen dass ich all diese Bücher verstehen konnte. Es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht norwegisch zu sprechen.

Jeden Abend haben meine Schwester und ich noch lange miteinander geredet und es war einfach wunderschön die Sprache so fließend zu sprechen. Ich konnte einfach drauf losreden und musste nicht mehr lange überlegen, wie die Wörter heißen, dass war einfach ein unbeschreibliches Gefühl.

Das alltägliche Leben

Der Alltag in meiner Familie sah ungefähr so aus: Morgens bin ich zuerst aufgestanden, weil meine Schule am frühsten angefangen hat. Danach mein Vater, der mich in die Stadt gefahren hat und dann selbst zur Arbeit gegangen ist. Dann kam der Rest der Familie. So halb drei sind mein Bruder und meine Schwester nach Hause gekommen und haben ihre Hausaufgaben gemacht.

Ich hatte 15 Uhr aus und war eine Stunde später bei meinem Vater in der Arbeit. Er hat mich jeden Tag wieder mit nach Hause genommen und meistens haben wir noch meine kleine Schwester aus dem Kindergarten abgeholt. So halb fünf waren wir dann zu Hause und das Mittagessen wurde gekocht. Üblich war es um fünf zu essen und bis dahin ist auch meine Mutter nach Hause gekommen. Nach dem Essen hatte ich noch Hausaufgaben zu erledigen und meine Geschwister haben etwas am Computer gemacht und Fern gesehen. An drei Tagen die Woche hatte ich nach dem Mittagessen meinen Malerclub, das Tanzen und den Gospelchor. Auch meine Geschwister hatten meist noch andere Beschäftigungen.

Am Wochenende haben wir uns meistens ausgeruht oder etwas unternommen.

Die Gegend

Arendal ist eine hübsche kleine Stadt mit vielen kleinen Häusern und vor allem viel Wasser. Meine Freunde und ich sind meistens auf einer Treppe am Hafen gesessen und haben aufs Meer hinaus gesehen.

In den meisten Orten in Norwegen kann man aufs Meer sehen. Auch gibt es noch sehr viel Natur und die Menschen legen auch sehr viel Wert darauf.

Besonderheiten

Für mich waren sehr viele Sachen ganz besonders, z.B. das man in Norwegen erst 17 Uhr zu Mittag ist, die Schulen jeden Tag zur gleichen Zeit enden, und es im Sommer nicht mehr richtig dunkel wird.

Auch feiert Norwegen seinen Nationalfeiertag ganz anders. Die Menschen haben Trachten an und laufen in Zügen mit. Die Stadt ist dann voller Leute und alle schwenken die Flagge und singen die Nationalhymne.

Natürlich ist das Essen auch ein bisschen verschieden. Es gibt viel Fisch, Elch und Rentier. An Weihnachten backen die Norweger genau sieben Sorten Plätzchen und die Kinder bekommen am Weihnachtsmorgen in einem Strumpf schon eine kleine Überraschung.

Jede Familie hat natürlich seine eigenen Traditionen. Meine Familie hat die Tradition, dass sie am ersten Weihnachtsfeiertag Frühstück auf dem Boden isst.

Ich habe natürlich auch viele Dinge erlebt die ich noch nie gemacht hatte, wie z.B. Schwimmen nachts halb drei, Schwimmen in Kleidern oder eine Elchjagd.

Ganz klar, dass dieses ganze Jahr etwas ganz besonderes für mich war und ich keine einzige Sekunde auch nur im Mindesten bereut habe. Ich habe so viele tolle Freunde überall auf der Welt und eine wunderbare Familie bekommen.

Ich habe sehr viel dazu gelernt und denke, dass ich um einiges älter geworden bin.Dieses Jahr war das schönste für mich überhaupt und ich möchte noch einmal meinem Stipendiumsgeber Adolf Würth von ganzem Herzen danken, dass mir mit diesem Teilstipendium so etwas ermöglicht werden konnte.

- Elisabeth Hessenauer