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Diandra in Honduras

Liebe HGSer,

nachdem ich ein langes Jahr auf den 19.August gewartet habe, den Tag an dem ich endlich nach Honduras fliegen würde, bin ich nun schon seit 17 Tagen hier. Man glaubt gar nicht wie schnell zwei Wochen rumgehen können, aber auch andererseits wie viel neues man in der Zeit erleben kann. Ich fange besser an von vorne zu erzählen. Am Freitag den 19. August ging mein Flieger von Frankfurt aus Richtung Miami und dann direkt weiter nach Tegucigalpa, der Hauptstadt Honduras. Als wir also nach 14 Stunden Reise angekommen waren und nur noch schlafen wollten, hatten wir noch eine zwei stündige Busfahrt zum Hotel durch Tegucigalpa vor uns (was aber mehr an dem Fahrstil der Honduraner und der Beschaffenheit unseres Busses gelegen hat, als an der Entfernung zum Hotel). Das Wochenende verbrachten wir mit AFS Betreuern im Hotel, wo uns dann noch ein paar letzte Tipps und Stolperfallen eingetrichtert worden sind. Am Sonntag war es dann endlich so weit, dass wir zu unseren Gastfamilien gebracht wurden. Wieder mit dem Bus etwa vier Stunden durch das Land und dann las ich endlich das Schild San Pedro Sula, der Name meiner Heimat für ein Jahr. In einer Shopping Mall wurden wir unseren Gastfamilien übergeben, nie vergesse ich diesen Moment, da meine Familie auf mich zu kam mit Blumen und Bannern in der Hand, auf denen stand „Wir lieben dich Diandra!“.

Die erste Woche in San Pedro war wirklich aufregend, so viele neue Gesichter zu merken, neues Essen, neues zu Hause, aber auch manchmal sehr hart. Der Kulturschock, den man hier am Anfang erlebt, kann einen echt umhauen. So hatte ich zunächst auch viele schwere Momente. Aber spätestens nach einer Woche war davon alles vergessen. Durch das freundliche Gemüt der Catrachos ist das auch nicht schwer. Überall wo ich hin kam, weil meine Gastfamilie mich ganz stolz bei jedem präsentieren wollte, wurde ich gleich herzlich aufgenommen, was meistens darin besteht, dass man eine Tonne an Essen bekommt. Und wenn ich sage eine Tonne, dann meine ich das auch so, denn eine Mittagsmahlzeit besteht hier aus Fleisch mit Kartoffeln, dazu als Beilage Reis und Kartoffelbrei und als Gemüseersatz einen Tortilla oder Backbanane. Und wenn man bedenkt, dass ich hier etwa alleine 12 Tanten und Onkel habe, denen ich vorgestellt wurde, dann kommt da schon einiges an Essen zusammen. Gott sei Dank gibt es ja so was wie das Meer, wo ich mir beim Schwimmen und Tauchen wieder ein bisschen abtrainieren kann.

Heute hat dann auch die endlich Schule angefangen. Ich habe mich tierisch gefreut endlich mal wieder ein bisschen Ordnung zu fühlen, welche man bei den spontan chaotischen Catrachos nicht oft erlebt :D. Endlich zählt dann mal wieder Pünktlichkeit, ein Wort was die Leute hier sonst nicht zu kennen scheinen. Im Ablauf des Tages zeigte sich dann aber auch schon bald wieder der gemütlich unbesorgte Lebensstil der Honduraner. Anstatt tausend auszufüllenden Formularen und einer Menge Organisation, wie es in Deutschland der Fall wäre, gab es hier nur ein kurzes Gespräch mit der Direktorin, von dem ich mindestens 99% nicht verstanden habe, weil sie ungefähr so schnell gesprochen hat wie ein Formel 1 Fahrer und trotz meiner geringen Kenntnisse nur spanisch. Danach wurde ich dann einfach in eine Klasse gesteckt, ganz egal ob die Leute dort in meinem Alter sind, und war dann den Rest des Tages auf mich alleine gestellt. Ich glaube aber ich hatte Glück, denn meine Klassenkameraden scheinen genauso alt zu sein wie ich und haben mich auch sehr herzlich aufgenommen. Als einzige mit blondem Haar, was für mich eigentlich noch braun ist für meine Klassenkameraden aber schon blond ist, einer Brille und einer riesen Größe, obwohl ich eigentlich gerade mal 1,62m groß bin, falle ich total auf. Jeder möchte mit einem befreundet sein und was mit dir unternehmen und andauernd hört man seinen Namen, wo man auch lang geht.

Was ich bisher erlebt hat, bestätigt voll und ganz, dass dies ein Land voller Lust und Lebensfreude ist. Es macht einfach total viel Spaß alles hier zu erkunden, auch wenn vieles am Anfang auch sehr schwer sein kann, besonders für einen überpünktlichen, organisierten, zurückhaltenden Deutschen. Aber man kommt hier nicht drum rum schnell diese Offenheit und Gelassenheit zu übernehmen. Wo ich am Anfang immer ein bisschen zurückgeschreckt bin wenn mich fremde Leute auf sie Wange geküsst haben, mache ich das jetzt auch schon wie selbstverständlich. Und ich bin so gespannt noch so viel mehr zu erleben und zu lernen!!!

Abrazos de Honduras


Diandra