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Moritz Wittkamp, Freiwilligendienst mit dem Programm "weltwärts"in Indien, 11/12

Ranganpalke, den 30. August 201

 

Seit nun fast vier Wochen bin ich als Freiwilliger in der "Little Flower School" in Ranganpalke, einem kleinem verschlafenem Dorf im Süd-West-Indiens. Zuerst war es etwas fremd das Hildesheimer Stadtleben gegen das indische Landleben einzutauschen. Doch mittlerweile habe ich mich an die Kühe auf den unasphaltierten Straßen gewöhnt. Eingebettet in Reisfelder und in Dschungel findet man die "Little Flower School", mein neues Zuhause.

Die "Little Flower School" ist ein Waisenheim und eine Schule zugleich. Etwa 80 der 350 Schüler leben als Waisenkinder direket im Projekt. Zu diesen Kindern habe ich eine besonders intensive Beziehung, da ich mit ihnen die ganze Woche zusammen esse, lerne, spiele und mein Leben mit ihnen teile. Für mich sind sie so etwas wie eine übergroße Großfamilie, in der ich als Onkel, wie mich die Kinder nennen, meinen Platz gefunden habe.

Die Altersspanne der Kids reicht von drei bis 17 Jahren. Die Schüler werden vom Kindergarten bis zur zehnten Klassen an der "Little Flower School" in jedem Fach englischsprachig unterrichtet. Das ist etwas besonderes in Indien. Eigentlich wird hier im Bundesstaat Karnataka "Kannada" gesprochen. Neue Waisenkinder haben deshalb viele Probleme ohne eine gewisse Basis dem englischen Unterricht zu folgen. Daher ist einer meiner Aufgaben, diesen Kindern eine Mischung aus Englischcrashkurs, Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe zu geben. Manchmal ist es schwierig die Kontrolle über die Rabauken zu behalten, doch es gibt auch immer wieder kleine Erfolge bei den einzelnen Schülern, über die man sich sehr freut.

Neben der Englischnachhilfe, die zwei mal am Tag stattfindet, unterrichte ich in der Schulzeit selbst in der vierten bis zur neunten Klasse Kunst. Über diese Arbeit bin ich besonders glücklich, da Zeichnen und kreative Arbeiten schon immer ein großes Hobby von mir waren. Dazu kommt, dass ich mein Abi vor wenigen Monaten an der Marienschule Hildesheim unter anderem im Leistungsniveau Kunst mit sehr gut bestanden habe und ich nun nach dem schnellen Schüler-Lehrer-Seitenwechsel mein Wissen in diesem Bereich an meine eigenen Klassen weitergeben kann. Ein unglaubliches Gefühl.

Morgens und nachmittags fahre ich jeden Tag mit einem der drei gelben Schulbusse der "Little Flower School" mit, um die Nicht-Hostel-Kinder abzuholen bzw. nach der Schule nach hause zu bringen. Als Busassistent helfe ich den Kleinsten mit ihren schweren Tornistern die Stufen den Bus hoch und lotse den Fahrer bei schwierigen Wendemanövern durch die engen Straßen.

Am Wochenende werde ich im Waisenheim vor allem gebraucht. Die Kinder haben dann die meiste Zeit Freizeit und spielen auf dem großen Hof Volleyball, Cricket, Fußball oder Klatschspiele. Ich spiele oft mit und versuche das große Durcheinander im Auge zu behalten. Meistens verletzt sich irgendwer und dann muss man kleine Wehwehchen versorgen. Die Kinder sind nicht anders als in Deutschland – geladen voller Energie. Der Unterschied zu normal aufwachsenden Kindern ist nur, dass ihnen die Eltern fehlen. Darum bin ich als "großer Bruder" oder "Onkel" für sie als Person so wichtig. Wie schon gesagt, ich teile mit ihnen jetzt mein Leben und das ist, denke ich, die wichtigste Aufgabe, die ich als Freiwilliger hier in der "Little Flower School" erfülle. Es ist ein 24/7-Job, doch ich bin dabei ihn lieben zu lernen!